Aus Texten über Elsie Wyss


Hans Neuburg

Elsie Wyss – Flächenpermutationen

Elsie Wyss ist seit zwölf Jahren als Malerin tätig. Diese Berufsbezeichnung beinhaltet allerdings nicht ihr ganzes Arbeitsgebiet, ist sie doch auch Gestalterin von Reliefs in Walzblei...

Gewiss sind es bei dieser Malerin konstruktivistische Ideen und Themen, die in ihren Bildern – auch bei einigen Walzblei‑Reliefs – Gestalt annehmen, aber sie empfindet die geometrisierende Kunst in gewissem Sinne als für ihre Anliegen nicht unbedingt geeignet. Wer ihre neuesten Werke auf diese Einschränkung hin prüft, wird beobachten, dass sich Elsie Wyss zum Beispiel nicht den Gesetzen eines bestimmten Rasters unterwirft, dass sich ihre Netze – wenn sie überhaupt solche als Grundlage wählt – locker und weitmaschiger spannen. Ein zusätzliches Indiz für diese konzeptionelle Haltung sind Pinselführung und Farbauftrag. Ihre Formen und Farben sind wohl auf wesentliche Grundelemente beschränkt, aber sie behält sich bei allen lapidaren Kompositionen eine thematische Freiheit vor, die weit von der Konstruktion hinwegführt. So zieht sie es beispielsweise vor, von einer naturhaften Vorstellung auszugehen, die sie allerdings im Interesse einer archaischen Formulierung abstrahiert. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist unter anderem die Zeichengebung durch Kreuz und Pfeil, jedoch nicht im Sinne der Signalkunst, sondern eher als Ausdruck symbolistischer Vereinfachung. Wenn sie Bilder mit Horizontalen malt, dann nehmen diese die Gestalt von urweltlichen Landschaften an. Ein für ihre Absichten geeignetes Stilmittel ist der Übergang von glänzenden zu matten Farbklängen.

Die Kunst von Elsie Wyss hat in letzter Zeit jene Merkmale angenommen, die sich der Minimal Art annähern. Wenn ihre wesentlichen Bilder eine ausgesprochene Weiträumigkeit erfordern, die sie mit grosser Disziplin bewältigt, so kommen in ihren Kleinwerken, in konzentrierter Weise auch die Komponenten zur Geltung, die ihrer gesamten Produktion die Züge einer zeitlosen Meditation verleiht.

Die Kunst von Elsie Wyss hat in letzter Zeit jene Merkmale angenommen, die sich der Minimal Art annähern. Wenn ihre wesentlichen Bilder eine ausgesprochene Weiträumigkeit erfordern, die sie mit grosser Disziplin bewältigt, so kommen in ihren Kleinwerken, in konzentrierter Weise auch die Komponenten zur Geltung, die ihrer gesamten Produktion die Züge einer zeitlosen Meditation verleiht.

 

Aus Hans Neuburg, Vernissage in der Städtischen Kunstkammer zum Strauhof, Zürich, Ausstellung mit nelly rudin, müller‑emil, 30. Oktober 1975


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